tn gg gg, E, A 5». Tx X a e" ` SI

Wem,

> Ei E

2. S 3 = S E

Cen

gien BAO

Ned

Book

ACTA GERMANICA.

ORGAN FÜR DEUTSCHE PHILOLOGIE

HERAUSGEGEBEN VON

RUDOLF HENNING. Neue Reihe.

Heft 1: Altnordische Namenstudien. Von

Hans Naumann.

Berlin. Mayer & Müller. 1912.

ACTA GERMANICA. NEUE REIHE. HEFT 1.

ee EE LII

Altnordische Namenstudien.

Hans Naumann.

Berlin. Mayer & Müller. 1912.

GERMANY

en

3 Le

Vorwort.

Diese Arbeit sieht ihre Hauptaufgabe darin, einen Über- blick zu geben über den Zusammenhang der nordischen Namengebung mit der germanischen. Das so oft ersehnte altnordische Namenbuch sollte natürlich damit noch nicht geliefert werden, wohl aber ein Beitrag zur Vorbereitung für dies und für das gleichfalls noch zu schreibende germa- nische Namenbuch. Die Listen von Cap. I--III sollen eine Sammlung des urnordischen (runeninschr. überlieferten) und altnordischen Namengutes enthalten, geordnet nach der historischen Ent- wicklung, soweit sich diese durch Vergleichung mit dem Namenschatze des Ost- und Westgermanischen feststellen läßt. Unter Vorbehalt sind die Namen der Heldensage auf- genommen. Evident nicht nordische wie Hlodver ahd. Hlu- dowih, Niðuðr ahd. Nîdhad u. a. sind grundsätzlich aus- geschieden. Andere, die wie Angantyr u. Beli (Fridpjófrs.) p Y Ben ihres singuláren Vorkommens den Stempel rein my- e E thischen Charakters an sich tragen (Mhff. Beow. 4), sind Gebenfalls nicht aufgenommen. Wenn allerdings mythische = Namen wie Hedinn, Hogni, Atlı u.a. sekundär, infolge von

Bekanntschaft mit der Heldensage, in Gebrauch traten, so

mußten sie wohl berücksichtigt werden, zumal wenn sie, $ wie eben diese, etymologisch auch sonst mit der Namen- & gebung in Zusammenbang stehen. Desgleichen mußten solche & myth. Namen Aufnahme finden, die gemeingerm. Verwand- ^ schaft besitzen und womöglich die einzigen Stützen ur-

Hans Naumann, Altnord. Namenstudien. ]

2 Vorwort.

alter großer Zusammenhänge sind wie Dömarr und Dómaldi (dom Cap. I) Zu einer fünften Klasse gehört etwa Fridpjöfr selbst. Nachweislich historische Personennamen mit piub (Cap. II) sind innerhalb und außerhalb des Nordischen äußerst spärlich. Da aber mytholog. Ursprung nicht direkt nach- gewiesen werden kann, mußten solche Namen wohl oder übel aufgenommen werden.

Es sind also ausgeschieden: die nicht ursprünglich nor- dischen Namen (vergl. auch Cap. V) und diejenigen mytho- logischen und mythischen Namen, die in keinem organischen Zusammenhange weder mit der nordischen noch mit der germanischen menschlichen Namengebung stehen. Es sind aber aufgenommen diejenigen Heldennamen, die bestimmt und von vornherein nord. menschl. Namen sind (z.B. Gaut- rekr mit beiden Gliedern in großer Verbreitung) und solche, die es sekundär geworden sind und etymologisch an sich in der menschl. Namengebung begründet sind (Hogni, Atli eto.).

Sollte nun gerade hier in der Sichtung des Stoffes nicht immer das Richtige getroffen sein, so wolle man dies der immer veründerten Schwierigkeit der Frage zu Gute rechnen. Möglichste Vollstándigkeit ist angestrebt, jedoch sicherlich, zumal auf ostnordischem Gebiete, längst nicht erreicht. Überhaupt muß ich um alle die Nachsicht bitten, die ein Lexicon, und etwas anderes ist ja ein Namenbuch auch nicht, in seiner ersten Bearbeitung wohl beanspruchen darf.

Herrn Prof. R. Henning, der mir in einer altnordischen Seminarübung die Anregung zu dieser Arbeit gegeben und mich nach ihrer ersten Vollendung auf so Manches aufmerk- sam gemacht hat, fühle ich mich zu tiefstem Danke ver- pflichtet.

Literaturverzeiehnis.

1) Zur Materialsammlung wurden benutzt: für das Nordische:

S. Bugge: Norges indskrifter med de ældre runer. Christ. 1891 bis 1903.

J. G. Liljegren: Runurkunder. Stockholm 1833 : und darauf beruhend:

N. W. Dieterich: Runensprachschatz: o. J. Stockholm u. Leipzig.

Fr. Burg: Die älteren nordischen Runeninschriften. 1885.

P A. Wimmer: De danske runemindesmærker. København 1895 bis 1908 (Bd. IV?)

J. Undset: Indskrifter fra middelalderen i Throndhjems Domkirke. Christ. 1888.

S. Bugge: Bidrag til Tolkning af Danske ok tildels Svenske in- skrifter med den længere rækkesruner, navnling paa guld- brakteater. Kjeb. 1906.

A. Noreen: Altisländische und Altnorwegische Grammatik (mit einem Anhang der älteren Runeninschriften) 1903.

A. Noreen : Altschwedische Grammatik 1897 —1904, mit einem An- hang schwedischer Runeninschriften.

Islendinga sögur 1—29 ed V. Asmundarson, Reykjavik 1891 ff. (mit indices).

Landnámabók auch isl. Sögur 1. 1829 und 1843.

Ares Isländerbuch ed. W. Golther. Halle 1892.

Biskupa sögur 2 Bde. Kopenhagen 1858.

Sturlunga saga ed. G. Vigfusson 1878.

Islenzkar fornsögur I. 1880.

Konunga sögur ed. C. R. Unger 1870.

Fornmannasögur 1— 12. Kopenhagen 18251f, (indices in III V VII X XLI). |

Fornaldarsögur útgefnar af. C. C. Rafn 1829 £. (index in Bd. III).

Heimskringla ed. F. Jónsson I—IV. 1893ff. (index in Bd. III).

Monumenta historica Norvegica ed. G. Storm 1880.

Diplomatarium Norvegicum ed. Lange, Unger etc. Christ. 1847 ff.

1*

4 | Literaturverzeichnis,

Carmina Norræna ed. Th. Wisén 2 Bde. Lund 1886—89.

Guta Lag och Guta Saga, utgifna af Hugo Pipping, Samfund XXXIII, 1905 —07.

Islandske Annaler udg. G. Storm. Christ. 1888.

Diplomatarium Islandicum. Copenhagen 1857.

H. S. Collin u. C. J. Sehlyter: Corpus iuris Sweogotorum antiqui 1827 ff.

Saxo Grammatikus: Gesta Danorum ed. Holder 1885; Paul Her- mann Comm. I.

Vita Anskarii rec. G. Waitz 1884.

O. Nielsen: Olddanske Personnavne 1883. Copenhagen.

O. Rygh: Gamle Personnavne i Norske Stedsnavne 1901.

K. Weinhold: Altnordisches Leben 1856, Namengebung s. 262—282. F. Jónsson: Tilnavne i den islandske oldlitteratur. Aarböger 1907, p. 161—381. | B. Kahle: Die altwestnordischen Beinamen bis etwa zum Jahre 1400.

Arkiv 26 p. 143 und 226 ff. Dankbar sei auch genannt: F. Holthausen: Altisländisches Lesebuch 1896: p. 128 ff. ein kleines Namenverzeichnis, das mit seinen Etymologien dem An- fänger die erste Hilfe bot.

2) Für die andern germanischen Dialekte:

a) allgemein :

E. Förstemann: Altdeutsches Namenbuch I. Personennamen ? 1900.

R. Henning: Die deutschen Runendenkmäler, StraRburg 1889.

Fr. Stark: Kosenamen der Germanen, Wien 1868.

E. Schröder: Die deutschen Personennamen. Göttinger Festrede 1907.

G. Werle: Die ältesten germanischen Personennamen 1910. Beiheft zum XII. Bd. der Zeitschr. für deutsch. Wortforsch.; und: Zu den ältesten germ. Personennamen, Mainzer Zeitschrift 1910 S. 56ff. Dissertation, Gießen 1910.

rec. M. Schönfeld. I. F. 28. anz. p. 73ff.

M. Schoenfeld: Proeve eener kritische Verzameling van Germaansche Volks- en Personsnavne (A—B). Diss. Groningen 1906.

Als Fortsetzung uud Vollendung dieser Arbeit ist jetzt erschienen von dem gleichen Verfasser: Wörterbuch der altgermanischen Personen- u. Völkernamen, Heidelberg 1911. Dieses Werk systematisch zu benutzen, ist mir leider nicht mehr möglich. Ich verdanke ihm aber viele der Namen aus CIL. und mehrere aus den ohne Indices gebliebenen Chronika Minora.

Literaturverzeichnis. 5

b) Für das Ostgermanische:

F. Wrede: Über die Sprache der Wandalen. QF 59. 1886.

F. Wrede: Über die Sprache der Ostgoten in Italien. QF 68. 1891; rec. Kögel Anz. 18. p. 43ff.; cf. auch Meyer-Lübke (s. u.) p. 5, 6. |

Müllenhoff im Index zu Mommsens Jordanisausgabe. M.G. auct. ant.

W. Wackernagel: Sprache u. Sprachdenkmäler der Burgunden. Kleine Schriften III 334 ff.

F. Dahn: Könige der Germanen, Bd. VI Die Verfassung der West- goten 1885; von p. 421—490 in Anmerkungen die Namen der an den "Cone. Tol. beteiligten Personen enthaltend.

A. Bezzenberger: Über die a-Reihe der got. Sprache, 1874 (zahl- reiche westgot. Namen enthaltend).

W. Meyer-Liibke: Romanische Namenstudien I: Die altportugiesischen Personennamen germanischen Ursprungs. Wiener Sitzungs- berichte 1904, 149. Bd.

M.-L. erklärt die hier behandelten Namen aus dem Nordwesten der iberischen Halbinsel für westgotisch und sein Rezensent (v. Grienberger Zs. f. d. Ph. 38, 541ff) hegt keinerlei Zweifel. Es muß aber bemerkt werden, daß für ihren Ur- sprung neben den Westgoten (und andern Völkern: Wan- dalen, Alanen) namentlich auch Sueben in Betracht kommen (Zeuß 458, Dahn aao. 559—582; Bremer P.G. 204), die im 5/6 Jh. hier ein Pun Reich gegründet hatten, aber noch vor 600 im Westgotenreiche aufgingen und die ZeuD - allerdings (p. 456) von den „quadischen Sueven“ trennt, (p. 457) mit den Semnonen identifiziert (doch cf. Bremer aao.). Überlieferte Königsnamen dieser Sueven sind Hermericus (Hyd. Cont 71 = * Ermanaricus), Rechila (ebda 114 = *Ricila), Rechiarius (ebda 137 *Riciarius), Maldras (mit griech. s, also ogerm. Maldra; I.F. anz. IX, 201; v. Grienb. got. Wortk. p. 229) ebda. 181, Franta (Isidor c. 88), Remis- mundus ebda c. 90, 'Theudemirus Chron. Min. II p. 212, Miro ebda, Eboricus ebda 216, Audeca ebda, Siseguntia f. ebda, Malaricus ebda 217, Namen, die in Themawahl und Endung allerdings einen sehr ostgermanischen Eindruck machen (cf. auch Zeuß p. 456; Vorrede zu cap. II dieser Arbeit). Wir glauben uns daher im Allgem. Meyer-Lübkes Auffassung anschließen zu dürfen.

c) Für das Westgermanische:

P.Piper: Libri Confraternitatum St. Galli, Augiensis, Fabariensis, M.G. À. Longnon: Polyptyque... de l'Abbé "Irminon, 2 Bde. Paris 1895.

6 Literaturverzeichnis.

W. Waltemath: Die fránk. Elemente in der franz. Sprache. Straßb. Dissert. 1885 (p. 11—37 ein Verzeichnis fränk. Eigen- namen vom 5.—7. Jh.).

A. Socin: Mittelhochdeutsches Namenbuch. Basel 1903.

M. Heyne: Altniederdeutsche Eigennamen 1867 (9.—11. Jh.).

W. Bruckner: Die Sprache der Langobarden. QF. 75. 1895.

Kemble: Codex Diplomaticus aevi Saxonici, London 1839—48.

A. Hruschka: Zur ags. Namensforschung, 23 u. 24 Programm der Oberrealschule zu Prag 1884/85; rec. E. Schröder, Anz. . 12. 181.

W. G. Searle: Onomasticon Anglo-Saxonicum 1897; cf. dazu Meyer- Lübke aao. p. 5 (jetzt auch Schönfeld, Wörterbuch p. IX); die hier konstatierte „Merkwürdigkeit“ des Searleschen Buches können wir nur bestätigen.

Anm. J. Aasen, Norsk Navnebog 1878 und M. F. Lundgren, Personnamn frán medeltiden (Nyare bidrag till kánnedom .. X) blieben mir unzugänglich. Die nur erst in 4 Lieferungen vorliegende und nur das ja leichter zugängl. Westnord. betreffende Sammlung von E. H. Lind; Norsk-islandska Dopnamn ock fingerade Namn frán Medeltiden 1905ff. habe ich leider erst nachträglich aus Björkman (s. u.) kennen gelernt. Sie bemüht sich, den gesamten Variantenapparat zu verzeichnen, was in meiner Arbeit natürlich nicht anging und zudem bei der Durchsichtigkeit der meisten nord. Namenbildungen sich erübrigte. Ihr Inhalt ist im wesentl, von den „fingerade Namn“ abgesehen, bei mir enthalten.

Vorbemerkung, die Belege betreffend.

Die Belege der nord. Namen sind so eingerichtet, daß sie auf den ersten Blick die Verbreitung eines Themas er- kennen lassen. Es konnten aus Rücksicht auf den Raum nicht immer alle Belege angeführt werden. Schlägt man beide Themen nach, so wird man im allgem. den genauen Beleg eines Vollnamens finden. Bei W. R. D. Schlyter. Fms. Fas. etc. erübrigten sich genauere Angaben teils wegen guter Indices, teils wegen alphab. Anordnung. Bei den Diplomatarien u. a., wo dies nicht der Fall ist, mußten die Angaben genauer sein. Vom 10. Jh. ab sind die Namen der Runeninschriften nicht mehr besonders als runeninschrift- lich gekennzeichnet, was also zumeist die jüngeren dänischen (Wimmer) und schwedischen (Liljegreen, Dietrich) Runen- inschr. betrifft; doch belehrt ein jedesmal hinzugefügtes W. oder Lilj. über ihren Ursprung. Namen aus Runeninschr., deren Lesung und Deutung gänzlich unsicher sind (z. B. ada Norw. Nedre Hof. Bugge z. St., umabera Kragehul. Bugge, Tolkning 26ff.), wurden nicht aufgenommen. Die Literatur der ältesten nord. Runeninschr. immer anzuführen, war unnötig; man findet sie vollständig verzeichnet hinter jeder Inschrift bei Noreen (Altisl. u. altnord. Grammatik; nach Nummern zitiert), soweit sie hier vorhanden sind; sonst wird auf Bugge verwiesen.

Die Belege für das Ost- und Westgerm. haben natürlich zuvörderst nur den Zweck, zu erweisen, daß das betreffende Thema hier vorkommt, woraufhin wir es als gemeingerm. (Cap. I) oder nur als west- und nordgerm. (Cap. II) erklären können. Vollständigkeit wäre hier sinnlos, für das West- germ. gradezu unmöglich; es sind z. B. auch nicht durchaus

8 Vorbemerkung, die Belege betreffend.

alle Namen aus Gregor und Fredegar etc. angeführt, viel-

mehr ging das Bestreben dahin, für möglichst viele der

Dialekte Vertreter zu stellen. Im allgem. sind ja dann

auch wohl die ältesten Belege vorgezogen worden.

Die Belege der Namen aus den ahd. Dialekten bietet Förstemann mit genügender Sicherheit und Zuverlässigkeit; es sei daher auf ihn verwiesen. Nur die westfränk. Namen sind von neuem nachgeprüft auf Grund der Neuausgabe des Polypt. Irmin. von A. Longnon und mit P.I. versehen. Auch die Namen aus Piper sind als solche gekennzeichnet (L.C.). Für das Langobardische sei ausschließlich auf Bruckner ver- wiesen.

Die Zahlen hinter den Namen bedeuten das Jahrhundert, in dem der betreffende Name belegt ist.

Zu J. G. Liljegrens oben mit aufgeführten „Runurkunder“ und dem darauf beruhenden „Runensprachschatz“ von N. W. Dieterich ist noch folgende Bemerkung zu machen: Es sind bei Liljegren nicht nur die schwed. Runendenkmäler ge- sammelt, sondern auch dänische und solche der westnord. Gruppe; die Sammlung deckt sich also z. T. mit den andern Sammlungen (Wimmer etc). Da aber das Cap. über die „Landschaftlichen Differenzen“ s. u. sich für das Ostnord. stark auf Liljegren-Dieterich stützt, in unsern Listen aber immer nur nach der Nummer bei Lilj. zitiert werden kann, so sei hier folgende Tabelle eingeschaltet:

Schwedisch: 1—1414; 1452; 1550—94; 1612, 13; 1616; 1629—47; 1655—1823; 1854—58; 1860; 1900—24; 1987—53 ; 2009—12; 2028—32.

Norwegisch: 1453—67; 1595—1604; 1614, 15,48; 1826—1834; 1888, 89; 1919—33; 1954; 1977; 1996—99; 2013; 2018—23; 2085—43; 2088—2162; 2233.

Aus Schonen: 1415—51; 1577; 1825; 1915—18.

Dänisch: 1468—1549; 1606—11; 1835—41; 1859; 1890—93; 1984—36 ; 2044; 2071.

Isländisch: 1653, 54; 1842—53.

Due wichtigsten Abkürzungen.

ofr. wfr. anfr. srhfr. mfr.

ost-, west-, altnieder-, siidrhein-, mittel-

fränkisch.

lb. = langobardisch

as. = altsächsisch

an. = anord. == altnordisch

ags. angelsüchsisch

loc. local (aus Ortsnamen er- schlossen)

runischr. runeninschriftlich

Fm == Förstemann

L.C. = Piper, Libri Confrater- nitatis

P.I. = Polyptychon Irminonis

Pd. Pardessus, Dipl. chart. etc.

1843 ff. K. = Kemble. M.-L. = Meyer-Lübke ep. = episcopus edd. eddisch Nor, Noreen

Nor. Nord. = Noreen, Altisl. u. Altnord. Gramm.

Nor. Schwed. = Noreen, Alt- schwed. Gramm.

N. = Nielsen

R. = Rygh

D.N. = Diplomatarium Norwe- gicum

D.I. =-= Diplomatarium Islandicum

D. = Dietrich-Liljegreen

I.B. = Ares Islünderbuch

L.B. = Landnámabók

Hkr. Heimskringla Fas. Fornaldarsögur Fms, Fornmannasögur Ks. Konungasögur isl. = Islendingasögur Bs. Biscupasögur

St. Sturlungasaga

Teil I.

Cap. I.

Die gemeingermanischen Bestandteile des alt- nordischen Namenschatzes.

In den vorliegenden Listen ist auf die Vergleichung voller, zweigliedriger Namen zunächst nicht der Hauptwert gelegt worden. Die indogermanischen Personennamen sind Composita. Sie unterliegen also auch bei vollständiger Gleichheit beider Glieder in 2 oder mehreren verwandten Sprachen oder Dia- lekten viel eher dem Verdacht paralleler Entwicklung als die beiden Themen, die sie bilden, an sich. Von diesen wird man getrost behaupten können, sie gehörten einzeln beide der gemeinsamen Namengebung jener Sprachen oder Dialekte an; erscheinen sie beide zusammen in Komposition, so kann dies viel leichter, zumal wenn sie in vielen andern Zusammen- setzungen nachweisbar sind, Ergebnis des Zufalls sein. Doch sei am Schluß dieses Cap. eine Aufzählung solcher voller zweigliedriger altnordischer Namen gegeben, die eine genaue Entsprechung in den beiden andern germ. Dialektgruppen finden, die also als gemeingerm. Vollnamen gelten können (s. auch u.).

Es handelt sich in dieser Liste von Cap. I darum, den Teil des nord. Namengutes zusammenzustellen, der als ge- meingerm. gelten muß, den das nord. vom urgerm. ererbt hat. Was aber muß als gemein- oder urgerm. gelten? Um ganz sicher zu gehen: was in allen 3 großen germ. Sprach-

Gemeingerm. Namensthemen. 11

gruppen gleicherweise belegbar ist. Wir haben nämlich gegenüber jener Zweiteilung des Nordisch-Gotischen auf der einen, des Westgerm. auf der andern Seite uns vielmehr zu jener bekannten Dreiteilung in ost-, west-, nordgerm. ent- schlossen. Die Berechtigung dazu dürfte sich in folgd. er- weisen; es wird sich zeigen, daß man, was den Namenschatz anbelangt, viel eher das Nord- und Westgerm. in eine Gruppe gegenüber dem Ostgerm. zusammenfassen könnte. Diese hier für das Nord. erschlossenen gemeingerm. Vollnamen sind dann selbstverständlich die vorläufig erschließbaren ge- meingerm. Vollnamen überhaupt, sofern man die hier an- gewandte Methode nicht für zu streng erachten mag. Urgerm. Namen zu erschließen gäbe es noch eine zweite Methode: solche Namen müßten zweifellos urgerm. Sprach- gut sein, die (vorausgesetzt, daß die Möglichkeit einer Ent- . lehnung als ausgeschlossen erscheint) in mindestens zweien der verwandten Sprachen und in mindestens einem der germ. Dialekte vorkommen, wie z. B. ai. ASvala, gr. "Innvios, ags. Eolla (Kluge PG.? I 326) oder ai. Vrkala, sl. Vukolin, got. Wulfila. (Es scheint, als ließen sich Gleichungen von V oll- namen durch mindestens 3 Sprachen überhaupt nicht auf- stellen; in 2 Sprachen eher: ai. KSemaräja, anord. Heimrekr, ahd. Heimirich Cap. II; tw. in lautl. Übereinstimmung dazu gr. Kóucoyog; -rekr synonym = -egyoc). Aber diese Namen würen eben zugleich idg. und als solche, wie alles idg. Sprachgut, nur ein sehr geringer Teil des germ. Und diese Methode würde ein um so spärlicheres Ergebnis liefern, als, wie es den Anschein hat, wenigstens die zweithematischen Namen in den einzelnen Schwestersprachen viel mehr der Bedeutung, dem Inhalt nach übereinstimmen, weniger dem etymon, der wörtlichen, lautlichen Entsprechung nach. Es scheint, als trüge die Reichhaltigkeit der Synonyma und ihre wachsende Beliebtheit gegenüber den idg. Urwörtern die Hauptschuld daran. Und da es sich eben nur darum handelt, hier gemeingerm. Namengut zusammenzustellen, so schließt sich diese zweite Methode von selbst hier aus.

12 Gemeingerm. Namensthemen.

Alle gemeingerm. Vollnamen, die sich finden ließen, werden also, wie oben gesagt, am Schlusse dieses Cap. aufgezählt. Es gibt aber eine große Menge von Compositionen, die das Nord. nur mit dem Westgerm. teilt. Diese konnten des mangelnden Raumes wegen nicht immer vollzählig aufgeführt werden; man wird sie sich aus Förstemann, Piper, Bruckner, Searle umso leichter ergänzen können, als vielmehr umgekehrt diejenigen Compositionen ausdrücklich aufgeführt werden, die sonst nirgends als im Nord. belegt erscheinen, z. T. also wohl hier völlig neu gebildet sind. Es schien dies lohnender und interessanter, weil diese Kompositionen, wie man bald erkennen wird, fast durchaus sehr typisches Gepräge tragen. Sie werden bei den einzelnen Themen besonders aufgezählt und zwar entsprechend unserm ganzen System (s. o. Vor- rede die Belege betreffend) hier nur für die Kompositionen, die das betreffende Thema zum ersten Gliede haben. Wo es sich im zweiten Gliede befindet, muß man das jeweilige erste Thema aufschlagen, um unterrichtet zu werden.

Als unsicher in ihrer Zugehörigkeit zu gemeingerm. Namensthemen müssen aus der folgd. Liste: aug, böt, erp, erba, gand, hama bezeichnet werden (aus verschiedenen Gründen: s. d. einzelnen Themen an ihren Orten); ferner die im ogerm. einzig auf der burgund. Vertretung beruhen- den hagu, magan, wobei es nämlich nicht völlig unzweifel- haft ist, ob das Burgund. überhaupt zur östlichen Sprach- gruppe gehört (s. zuletzt Behaghel. GDS.? s. 6); und schließ- lich ald, ferho, fold, fram, rand, prüd, wis weil sich ihre ogerm. Existenz nur auf diejenigen westgotischen Eigen- namen stützt, die aus Meyer-Lübke ausgezogen werden konnten (vergl. aber darüber die Bemerkung 'zu M.-L. oben im Literaturverzeichnis).

Aus Cap. II gehören vielleicht noch hierher zu Cap. I angil, ehwa, hasu, id, waig (s. diese an ihren Stellen in Cap. II); eine Vermehrung von Cap. I auf Kosten von Cap. II läßt sich viell. noch erreichen bei einer Ausbeutung der gotischen Namen aus italischen Urkunden (Kögel. anz.

Gemeingerm. Namensthemen. 13

18, 43 ff.) sowohl, wie wohl auch aus spanischen (s. a. Cap. 11).

1. &g- zu got. agis ,Furcht, Schrecken"; an. agi ,Un- ruhe“; er, Groe: und zwar wohl weniger passive Bedeutung (,sich fürchten", so Bruckner s. 218) als aktive ,Furcht, Schreck einjagen“.

a) der reine Stamm:

nord: Agmund N. s. 1 (aus Reichenauer Listen nord. Pilgrime; 10. Jh.) isl. Ogmundr Fms. DI. 185? doch s. dies unter aug-; viell. hierher Ægileif f. LB.; Nor. Nord. s. 189 erklürt auch Avaldr, Ámundi u. a. aus Agvaldr, Ag- mundi u. a., s. d. unter ana.

ogerm: got. Achiulf Iord. 14 (für Agiulf sive Agivulf, Mhff. im index 143) = Agiulf, wgot. König, Hydat. Cont. 139; Agiulfus nobilis gothus Fred. II 51. wgerm: wífr. Agericus Greg. III 35, Agebaldus PI.; ags. Agemund K. 11; lb. Agi- mundus 8; vergl. auch Aiberga « Agiberga CIL. XIII 7326.

b) die l-Ableitung :

nord: Egill Yngls. Hákonar s. góda. Fms. Ks. isl. N. s. 19 (loc. u. Necr. Lundense), viell. auch, falls die Lesung richtig, Agela Brakteatischr. Bugge, Tolkning 116.

ogerm: ogot. viell. Aillulfo var. Aliulfo Cass. Var. V 20, Wrede 123; wgot. Agil, Agila Iord. 136, 2 u. sonst; Agila legatus goth. Greg. V 43; Agila III Conc. Tol.; vergl. auch M.L. s. 7. wgerm: Agilimundus, Quadenkönig Amm. 27, 12, 21; Agilo alam. Amm. 14, 10, 8 etc.; wfr. Agletrudis PI.; ags. Ægelnoth K. 10; lb. Agilulfus qui et Ago 7. PD. IV, 1, agelmund I 15.

c) die n-Ableitung.

nord: Agnarr (Agnerus Saxo), dán. schwed. Yngls. Ems.; Agni Schwedenkönig Yngls.; beide Namen auch R.u. N. aus norw. dän. Ortsnamen.

ogerm: got. vermutlich Aigina dux Vascon. Fred. IV 78. wgerm: Ágenarichus Amm. 16, 12, 25; wfr. Aginus Greg. X 8, Agembert PI.; ofr. Eginher, Einher 9; ags. Ægen wulf 10. Searle; sáchs. Agyna Fred. IV 54 ; lb. Agino, Agenardus 9.

14 Gemeingerm. Namensthemen.

Zu dem Kurznamen nord. Aggi N. (Reichenau), Saxo (schwed.; Bräv.), Aggo Saxo myth. vergl. lb. Ago s. o. Agil- ulfus, viell. auch Aio var. Agio PD. I 3; ahd. Acco Fm.

2. aid „Eid“.

nord: Eiär m. LB., masc.: Hrödeiär Lilj. 1742, Nereiär LB. Fms. (fem. Fms.), Pöreiär Lilj. 1286, Alfeiär St. - Von den fem. auf -eiðr gehören mit einiger Wahrscheinlichkeit nur Baugeiðr Ks. Fms. (und .danach Ringeiðr) u. Randeiðr (vgl. hring Cap. II, rand u. Cap. I) hierher: vergl. Volun- darkv. 31. eiþa skalt mér ...at skjaldar rgnd, at mars bæge; Hävam. 110: baugeid Opinn hykk at unnit hafi ...., die übrigen: Álfeidr, arn-, dag-, fold-, iör-, mö- mögen mit Schwund des h im Anlaut des zweiten Compositionsgliedes (Nor. Nord. $ 284) wohl zu heiär (Cap. II) gehören.

ogerm: ogot. Starcedio dat. Cass. V 36 von Wrede s. 128 als Stark -aipeis gedeutet; Argaithus dux Gothorum sub Ostrogotha Iord. 81,16 (,Argaithus^ verum esse nomen docet lb. Argait, Mhff. im index); viell. auch Aidoingus, ein Amaler Malch. 2489, Wrede 74, anm. 4 wgerm: wfr.: Aitfredus PI.; srhfr. Eidring, vergl. Zs. 17, 428; ags. ver- mutlich kein Beleg, Kymath 9. Searle wohl = anord. Kin(n)adr, s. kuni; lb. Argait PD. VI 24, Aidwald 8. vergl. für das ogot. noch Edulf (var. Odulf) Iord. 77, Wrede 71. anm. 4, 128 anm. 3.

9. aiw- „Zeit, Gesetz“; got. aiws m., ahd. êwa f. „Zeit, Ewigkeit; Gesetz“; doch ist im nord. auch an *awi „gut“, awia ,Wasserland* s. d. zu denken; die hss. scheiden nicht genau zwischen ei u. ey u. variieren oft; runischr. ai- u. i- dürften jedoch auf aiw- verweisen.

nord: runischr.: viell. Aihuþrowr Nor. 700. Mykle- bostad, Bugge 355 ff. (das h hat nach B. nur silbentrennende Bedeutung); Aibiurn Lilg. 1034, Ifastr Lilj. 169, Ailifr Lilj. 187 = Eilifr Fms. = Eliw N. 19, Ailaif W., Elivus Saxo, Aimundr Lilj. 959, Airikr Lilj. 458 u. ö. D. 244 = Eirikr norw. Häraldss. härf. = eiríkr Fms. = erik N. 21. W., Eisteinn Háraldss. hárf., Iþorn Lilj. 87, Aivatr Nor. Schwed.

Gemeingerm. Namensthemen. 15

482, Aivinr Lilj. 1596; fem.: Ifríðr Lil. 756, Ailíkn Nor. Schwed. 482; -Ifastvi Lilj. 92; vergl. auch Nor. Schwed. 487, 491.

ogerm: wgot. Euricus 5 Hydat. Cont. 237 = Evarix Sidon. Apoll. 109, 10; Eusendus ep. Ilerda 7. M.-L. s. 8; wgerm: wfr. Eumund; Eopirin bayr 9.; Eotanchus LC. IT 187, 7; Éwirát Fm. 51; ags. Æmund K. 8; lb. Eonand 8.

Die Compositionen mit -fastr, -lifr, -steinn, -porn, -vatr, -vinr; f. -frídr, -likn scheinen speziell nordisch zu sein.

4. alb- ,Alp, Elf*; auch im zweiten Glied, entgegen Kossinna QF. 46, 65.

nord: runischr.: Alfiu f. Norw. ca 900 Hammeren, Bugge s. 380ff.; Álfr (Nor. Nord. 8 222 Álfr « Adwulfr s. unten ap-) Fms. DI. 172 Saxo (bràv.), Alfr genannt Elfsi Yngls.; Álfarinn Yngls. LB., Alfarr Fas, -geirr LB. N. Lilj. 2119, -eidr St., -kell W. Lilj. 831, -lákr W. (wohl auch in alah Lilg. 243 acc. D. 257), -]jótr LB. (sinngemáter die Variante Ulfljótr) -ráðr N., -rikr (rekr) N. Fas. Lilj. 2120, -varðr N. Lalj. 2162, -vini (ine) Fms. W.N. (Necr. Lund. T fem.: Alfdís LB., -(h)eidr LB., -gerdr LB., -hildr Fms. Yngls. Alwilda norw. Saxo, -ny Fas., -rün Fas., -vor Fas.; masc.: Gandálfr, Hró(d)-, Ió-, pór-; Sunnelfr geschlossen aus Sunnilfua DN. I 279 (cf. sundan Cap. IT) Ketilelfr f. N. (Necr. Lund), pórelfr f. LB. N. (Reich. Lund, loc.) s. 93. (-elfr Nielsen 118: feminine Form zu alf.; vergl. aber auch an. elfr < albis Bugge, arkiv 2, 210); Brandälfr DN. I 358.

ogerm: ogot. Albis (acc. ”44ßyv Wrede 103) Proc. got. I 20; 4AßlAug Proc. got. II 11; wgot. M.-L. Alverigus, allein v. Grienberger konnte diesen Namen nicht finden, Zs. f. d. Ph. 37, 548. wgerm: viell. Albruna Tac. germ. 8. (So Mhff.: Zur Runenlehre 51 ff. für hs. Aurinia, Albriniam; vergl. auch DA. IV 62 u. 211), wird belegt durch die spüteren ags. JElfrun Searle 19, an. Alfrün s. o., ofr. Albrun; viell. alam. Vestralpus Amm. 16, 21, 1. Grimm Myth. I 365 anm.; wfr. Albofledis 5 Greg. II 31, Albedrudis PI., Albigardis, Albhaidis Fm.; ofr.: Albleih 9, Alphilt 8; srhfr. Albniu 8; Albwart,

16 Gemeingerm. Namensthemen.

Albwine LC.; ags. Ælfric K. 10, größte Blüte hier erst im 10. Jh., z. B. Ælfhere, -gar, -red; lb. Alboin 5. PD. I 23, Alpari 8.

Die Compos. mit -arinn, -eidr m., -kell, (-ljótr), -dís, = -yr sind auDernordisch nicht belegt.

5. ala-, alla- „omnis“, meist wohl mit Intensiv- bedeutung.

nord: Alfinnr Fms., -fúss W., -gauti Fas., -gautr Fms. N., -geirr Yngls. LB., -gisl Lilg. 1363, -rekr LB. N. Yngls. Fas. Lilj 588, -sterkr Fms., -styggr W., svidr (svinnr) Fas. (auch edd.), -valdi W., valdr N. Lilj. 1742, -vardr Lilj. 1480, -vidr Olvidr St., Alvir Lilj. 1069 wohl = Olver (s. auch alu Cap. II) vergl. Alewih, Widsid, ein Dünenkónig; Alli N. loc. (N. leitet es von Alwi ab, doch vergl. ogot. Alla); fem.: Aldis Fms., -gun N., -laug N. Necr. Lund., -vọr Fas.; viell. auch noch Aleinn jarl Fms. IX, X (doch s. ain Cap. ID).

ogerm: ogot. Alatheus Amm. 31, 3, 3; Alla Chron. Min. I 665; Alamöda ‚dat., Alamud acc. nom. Neapl. Urkunde; wgot. Alaricus 5 August. I 1, 3; Oros. II 3, 3 etc. (ein eru- lischer Fürst, Iord. 88); Alavivus Amm. 31,4,1. Henning DR. 35ff.; erulisch: A4ovíð Droe, got. II 18. Alwith Schönfeld 14 wgerm: Alaricus Iord. 129 ein Suebenkönig; Alagildus CIL V 8760, wfr. Alachis PI., Alagisil Ven. Fort; alam. Alaker; ahd. as. Alawih Fm. 54. Henning aao., merow. Alowio; ags. Alrik K. 7; lb. Alchis 8, Alvara, Alvardus 8.

Die Compos. mit -finnr, -fuss, -gaut-, -sterkr, -valdr, -styggr, -sviðr, -dís, -gunn, -laug sind im ogerm. u. wgerm. nicht belegt. |

6. ald- got. alds „Vetus“, an. aldr „Zeitalter, Lebens- alter“.

nord: Altulf Lilj. 273; Veraldr D. N. IV 435, R., Stufialtr Lilj. 920 (D. 302) wohl zu valdan s. u. (vergl. Ingialdr, þóraldr u. a.).

ogerm: wgot. Aldegundia u. viell. andere, M.-L. 10.

Gemeingerm, Namensthemen. 17

wgerm: wfr. Aldulf, Altramnus PI.; as. Aldger; srhfr.: Altswind 8; ags. Ealdwulf, -here Searle; lb. Aldefrit 8.

7. ana 1. „Ahne‘ 2, die Präposition, das Verbalpräfix ana; genaue Scheidung wird kaum möglich sein, viell. kommen auch noch andere Stämme in Betracht s. u.; vergl. auch Zs. f. d. Ph. 37, 544; Fm. 100.

nord: runischr.: Alaibu « Anlaibu f. Alof, Ólof Norw. 7 By, Bugge 108, 171, ebda Anoana < Anwana Norw. 600 ca., unbekannter Herkunft, vergl. ahd. Anawan St. P. Fer- ner: Áleifr, Óláfr schwed. Yngls., dann auch norw. Königs- name Fms. Ks. und auch sonst DI. 498, 500 etc. (= Analaph Adam. Brem. I c. 41); Atiarfr Lilj. 87, Adis Lilj. 151, Abiurn Lilj 958 W., Ávángr LB., Ávaldr LB., Ávaldi Fms, Alaug Lilj. 734, Amuntr Lil). 1930, Ámundi (Saxo. Amundus norw.) Fms., Agautr Lilj. 667, Afrídr f. Lilj. 617, Afari Lilj. 389 dürften zum Teil wohl sicher zur Prüposition gehóren, doch denkt Dieterich 220 auch an ahd. aha, awa „Fluß“; vergl. aber zu Ávángr z. B. ahd. Anawanc LC. II 344, Awæirr W = Awair Guta Saga 64, 6: ahd. Anager St. P. u. a; a<ag (s. 0.) erklärt Noreen Nord. s. 189; in Atiarfr, Afriär u. a. liegt es auch nahe an germ. ä-privativum zu denken (vergl. ahd. adj. äfaro „farblos“ u. a. Kluge, Vorgeschichte PG * 476); Álof, Ólof f. Háralds s. Hárf. LB. u. a.

ogerm: Anagastes, -gastus (Wrede ogot. 190), thrak. Feldherr, Sohn des Arnigisclus, Prisc. 38, Mhff. Zs. 10, 175; ogot. Anna 6 Cass. I 5, IV 8 zu ana- mit hypok. Gemin. Wrede 107 (anders v. Grienberger Zs. f. d. Ph. 37, 544). wgot. Anaolsus (zu -wuls Cap. III Anhang) 5. Hyd. Cont. 92, Anagildus M.-L. 11. wgerm: ahd. Anawan, Anawanc, Anager s. o.; wfr. Animodus Greg. X, 5, Anbert PI.; ofr. Anamuot; ags. Onlafbeald (3fach komponiert?) Searle; lb. Anwaldus.

Zu Óláfr vergl. ags. Onlaf-; Atiarfr, -dis, -biurn, -laug, -gautr, -fridr, -fari dürften im ogerm. u. wgerm. keiné Ent- sprechung finden.

Zu ana ‚„Ahne‘ das gemeingerm. Diminutiv:

Hans Naumann, Altnord. Namenstudien. 2

18 Gemeingerm. Namensthemen.

, nord: runischr.: Onla Norw. 6 Satvet, Bugge aao.; Óli, Áli Yngls. Ks. Fms. so nennt sich Óláfr Tryggvason bei seiner Ankunft in England (Óláfs s. Tryggv. c. 32, 51); Áli auðgi = Óláfr Fms. X; vergl. noch Onela schwed. Beowulf.

ogerm: ogot. Anala, Stammvater der Goten, Iord. 65,4, Mhff. im index 150; wgot. Anila ep. Tuy in Spanien. wgerm: srhfr. Analo 8, Anulo.

Wie an. Áli aus *anal- so dürfte wohl auch Aki (die Quantität steht nicht ganz fest) Fms. Háraldss. Hárf. Bs. W. Nor. Schwed. 491. N. u. &, vergl. Zs. 30, 225 aus *anak- zu erkláren sein, vergl. ahd. Anniko, Ennika Fm. 93.

8. and- 1) „Geist“ vergl. Wrede wand. 62, ogot. 126; an. gnd. 2) anda, das Nominalpráfix. 3) zu got. anps „Spitze“, andeis „Ende“ M.-L. s. 18; v. Grienberger Zs. 37, 544.

nord: aus D. (Lilj. 47, 183 u. ö., 732), Nor. Schwed. 496, Kjalnesingas. u. a.: Andfinnr, -riär M. vergl. aarb. 1870, 120 ff., -vinr Mon. hist. Norw., -vitr; Ondöär = ahd. Anthad; Anddisi f. Lilj. 732, 745; dazu Vidanti Lilj. 1466 norw. D. s. 90. - ogerm: wand. Andwit 6 Vict. Vit. I 41. Wrede 62; ogot.: filio Andages fili Andele de prosapia Amalorum, Iord. 126, 28 nom. Andag Mhff. im index 149, richtiger aber wohl Anda- Gis Wrede 126 (vergl. auch Zs. 6. 539; Zs. f. d. Ph. 37, 544) u. nom. Andela; Andwit Cass. V 29; wgot. An- diarius u. a. M.-L. 13; vergl. noch den Heruler Andonno- ballus Cont. Dionis V. wgerm: Andevotus, Suebe 5 Hydat. Cont. 144; wfr. andoildis PI., andoin PI.; Antawin LC.; ags. Andhun Searle; lb. Anterad 8, Andwaldus 8.

Die Compos. mit -finnr, -riär (zu ridan s. u.) m, -dís- sind nur im nord. belegt.

9. ans „Gott“; Grimm. Myth. I 20; Maurer Bekehrung II 49, anm. 18.

nord: runischr.:. Ansugisalas Dänem. ca. 400 Kragehul Nor. Nord. 24; Ansugas Norw. 6. Myklebostad Nor. Nord. 28; Asmunt Schwed. ca. 800 Sölvesborg Nor. Nord. 48; aus

Gemeingerm. Namensthemen. 19

allen Quellen, es wird wenigstens 1 Beleg immer genannt: Ásbjórn Háralds s. Hárf., -brandr Fms., -fastr Lilj. 198, -fari Lilj 837, -fredr N. W. (Ansfridus ex gente Danorum, Vita Anskarii 33), -gauti Fas., -gautr DI. 172, -geirr DI. 186, -grímr Fms., -kell Nor. Schwed. 484 u. Schlyter o, Fong Lilj. 185 (Bugge, Tolkning 78), -leifr Fms., -leikr LB. (lákr DI. 172. Oláfs s. Tryggv.), -laugr N. ss. rer Dan., -mundr N. Lund. etc., -rádr W., -úlfr W. (ólfr DI. 255), -tiarfr LiljB 198, -valdr (-valdi) Fms., -vardr N. loc., -viðr W.; fem: Ásbjorg W., -bod Lilj 1935, dís Fms., -fridr Lilj. 132, -gerdr LB., -gunn N. Lund, -hildr Háralds s. Hárf., -hilfr Lilj 530, -katla N. -laug Hálfdans s. Svarta, -leif. LB., -möd N. Lund. -ný LB., -vi Lilj. 1413, -vor LB.; Ási N. Lilj 358, Varási Lilj. 9048; Ásli N. Lund.; Ása, Æsa (so LB. u. a.) Lilj. 165. Yngls. DI. 172 u. a.

ogerm: ogot. Ánsila lord. 77, 2; wand. Ansila Drac. 14, Wrede 72; burg. Ansemundus ss. rer. Merow. II (Vita Si- gismundi u. sonst); wgot. Ansiulf 7, Ansericus, Ansila M.-L. 12 (s. auch Dahn, Kónige VI 484). wgerm: wfr. Ansoval- dus Greg. V 3; 47 u. a.; Ansgaud, Ansfreda PI.; Ansegisil ss. rer. Merow.; Answald, Ansulf, Anseradus, Ansefred, Ans- wart, Ansger LC.; anfr. Asgrim, sonst nd. ags. ös (doch ags. auch ans, as, bald nach 600), vergl. zu ós auch DA. IV, 668; Fm.: Ansburgis, Ansegardis, Ansehildis.; Ansalicus Pd. 7; An ende Fm., Ansmod Fm., ags. Ósbeorn, Ósláf, Aatel Searle K.; lb. Ansprand 9, An 10.

Die Compos. it -fastr, -fari, -kunr, -laug-, -tiarfr, -viðr, -bgð, -dís, -hilfr, -vi scheinen speziell nordisch zu sein.

10. aran- (Nebenform arn-u) „Adler“, got. ara, ahd. aro, an. ari (ahd. arn, ags. earn, an. grn), im Ablaut dazu arin-; zur Nebenform arnu vergl. man aber auch got. arniba, ahd. ernust, an. ern „strenuus“ (an. erriligr dass.).

nord: aus allen Quellen, wenigstens 1 Beleg wird immer angeführt: Orn Lilj. 1079, Arni N.; Arnaldr N. Lund., -bjorn DI. 186, -fastr Lilj 33, -fasti N. (Reich.), -finnr aus Orkneyar

Hákonars. Góða., -gautr Lilj. 687, -geirr N. ss. rer. Dan., 9*

20 Gemeingerm. Namensthemen.

-gisl Lilj. 29, -grimr Fas., -gunnr LB., -kell wie -finnr, -ljótr Fms., -móðr Hkr., -niautr Lilj. 269, -oddr Fms., -steinn DI. 185, -úlfr helgi Fms. XI, -þjófr LB., -þórr (Arnórr) Fms. DI. 355, -vidr Háralds s. Hárf.; Hródarn; Arinbjorn Fms., -varðr Lilj 1240, -mundr Lilj. 1221, Eringisl Schlyter IV; Alfarinn, þórarinn, Arlaugr N., Arlaug f. N., Armódr Fms., Armundr Lilj. 66 neben Arn-; Ari DI. 180; Anki viell.< Arnkell, Anka f., Ambi viell. < Arnbjọrn, Amba f. s. auch Rygh z. St. u. Cap. IV; fem: Arnbjọrg Lilj. 761, -dis Fms., -eiðr LB., -gerðr LB., -gunn Fms., -(f)ridr LB., -katla N. (Reich.), -leif St., -ljót Fms., -laug W., -(þjóra LB., -þrúðr LB., -vi Lilj. 685 (Arnivi Lilj. 548), -ny (Orny Irni?) W. N. (Lund.), etc.; pórarna.

ogerm: Arnegisclus Thraker, Vater des Anagastus Iord. 42 (Ooví(yt6xAog Prisc. 38); wgot. Ara ep. Lissab. 683 etc., s. auch M.-L. 13 unter arus; burg. Arenberga Grabschr. zu Briord. 501. CIL. XIII 2474; viell. auch erul. Agovpog Proc. Ill, 26. (Aguvð IV, 26 = 40008 Agath. 1,20 Hm 785) verschrieben fir AgovApos = *Arawulfs Much. IF. IX. 206; ari- s. unter hari-. wgerm: Arintheus Amm. 15, 4, 10 etc.; Araharius, ein Quade Amm. 17, 12, 12; fränk.: Arogast lex Salica; Arnegisilus Greg. VIII 26, Aroildis PI.; Arneberht 7; abd. Arnger, Arnoald, Arolf s. Fm.; bair: Zeizarn, Wol- farn 8; Arngrim LC. II 656 (doch unter viel. nord. Namen); ags. Earnred 8, Earngrim, Earncytel Searle; lb. Arnipert 8.

Die Compos. mit -fastr, -finnr, -laug-, -leif, -1jót-, -niautr, -oddr, -steinn, -pjófr, -pórr, -vidr, -gerðr, -prüdr scheinen Spez. nordisch zu sein.

11. arg ,feige, nichtswürdig".

nord: Argsteinn « runischr. Árkstin Norw. Bradsberg. LiljB 1457; die Gleichung argr ragr adj. (Fritzner) legt es nahe, auch Ragi (LB. W. DI. 501) = Argi zu setzen, doch erfordert die zweifellose Beziehung zu runischr. dán. Wragi (W. IV2 s. LXX) wohl eine andere Deutung.

ogerm: ogot: Argaithus Jord. 81,16; wgot. Argimundus 6. Joh. Abbat 590, Argefrid 7 u.a. (doch s. M.-L. 34 und

Gemeingerm. Namensthemen. 21

u. barjis); vergl. noch den Greutungen AoyífiAóog var. Twg- yißıAdog Eunap. 75,6 u. 7. wgerm: bair. Unarc 8; ofr. Arclind; ags. —; 1b. Argait 8 (s. dazu die Etymologie des Paul. Diac. VI 24 Argait ab arga nomen deductum).

Argsteinn ist außerhalb des nord. nicht belegt.

12. ask- „Esche“, doch wohl als Waffe: ,,Eschenlanze, Speer‘, dann Krieger, der einen Speer tragen kann; (viell. . auch Schiff: ascus vel navis, lex Salica; s. auch DA. IV 500; ascomanni, Bezeichnung der Dünen, Adam. Brem. II 29.

nord: Askr LB.; runischr. /Eiska W. hierher?; als Zu- name Alfr Askmadr Hákonars. Góda c. 29; /Eskil Schlyter (öfters) natürlich = Askell s. ans.

ogerm: wgot. Ascaricus ep. Palentia; Conc. Tol. VIII s. auch Zs. f. d. Ph. 37, 544. wgerm: Ascaricus rheinfränk. Fürst, Eumen. Paneg. I 11, Zeuf 349; Ascovindus Greg. IV 16; wf. Ascoildis PL, Ascarico Waltem. s. 14; srhfr. Asewin 8; ags. Æscwine 6 Searle, /Escmann loc. K. (Æschere Beow.); lb. Asco 11.

18. atta , Vater".

nord: Átti W. N. (Lund. loc. SS. rer. Dan); Atli Ks. LB. (hinn upplendski Yngl. s.); hierzu nach D. 258 runischr. Atmar Lilj. 1823 (aus Bleking).

ogerm: Attila Jord. 104 etc. (Grimm GDS. 189, 332); wand. viell. 4vr«4og Proc. wand. I 2; Attalus ein Germanen- kónig, Aurel. Vict. 33. 3 Jh. wgerm: Atto CIL XIII 6277 aus der Gegend von Worms (doch ev. keltisch. s. Holder z. St.); wfr. Atto PI.; ags. Atta, Ætla 7 Searle; lb.

Vergl. zu Atmar jedoch wgot. Adimir ep. Tudensis 7 u. ahd. Adamar etc. Fm. 156 (zu apa, ada).

14. aud „Reichtum, Besitz, Glück“; vergl. got. auda- hafts ,beglückt'"; an. audr, as. öd.

nord: viell. Aupa Brakt. ischr. Jütland, Bugge, Tolk- ning 108; Audr m. u. f. Fms. Lilj 18. LB. isl; Audi Fas. Yngl. s.; Auðgi W; Auðbiorn N. Háraldss. hárf., -finnr R, -geirr N. Lilj. 669, -grimr Fms., -kell Lilj. 1375, -leifr Fas., -leikr W, -ólfr LB. Lilj. 70, -valdr Lilj. 1778, -vatr

22 Gemeingerm. Namensthemen.

Lilj. 1711, -veli Lilj 1698; Aupun(n) Fms. u. s. (daraus Aun Nor. 222 d. s. u. aun); fem: Audbiorg Fms, -gerdr N. Lilj. 758; Auda LiljQ 753; Butiaudr f. Lilj. 1721, 25.

ogerm: Audovacar B Scire oder Ruge, Jord. etc.; Odo- theus, Greutungenführer Zosim. IV 35; ogot.: Odwulf Jord. 17, Odoin Anon. Vales. (Chron. Min. I 324) Wrede 83; wgot. viell. Audgari 6 Le Blant, inseript. chrét. I 435 Narbon., Odarius u. a. M.-L. 18; burg. Audericus Lex Burg., Audolena CIL XIII 1661; Audeca, ein gallicischer Sueve Greg. VI 43 u. sonst. wgerm: frünk. Audefleda Francorum regis filia Jord. 134; Audoaldus, Audoarius, Audovera Greg. X 3, IV 30, IV 28; ags. Eadbald 7 K., lb. Audoin PD. I 22, Authari PD. III 16.

Die Compos. mit -biorn, -finnr, -kell, -(h)vatr, -veli sind außerhalb des Nord. nicht belegt.

15. aug- viell. zu ags. eag „Meer“.

nord: Augvaldr (Ogvaldr) LB. Fms.; myth. Óláfs s. Tryggv. c. 71; Ögmundr Fms. DI. 185 Ks. (Augemundr Óláfs s. Tryggv.); Ogr LB.

ogerm: ogot. viell. Augis Jord. 76; burg. viell. Auge- mirus, Augefredus LC. II 367, 7. 30 (Lyon); es erscheint doch sehr nahe liegend, diese 3 Namen hierher zu stellen; Augis kónnte wohl (wie etwa Albis u. a.) eine Kurzform sein; Mhff. im index 143 weiß keine Deutung, weist aber auf Grimm Myth. I 196 ff. (an. Oegir); Much IF. 9, anz. 296 Anm. 2 faßt Augis etwas kompliziert als *Hauhgeis auf; die burg. Namen stellt Kögel Zs. 37, 229 anm. zu awia s. d. u. wgerm: wfr. Augwart PI.; Augram LC. II 455; ags. —; lb. Augemundus 9.

Die Compos. Augvaldr ist nur aus dem Nord. bekannt.

16. aun- Bedeutung unbekannt; vergl. Grimm Zs. 3, 144; Wackernagel Kl. Schr. III 393 setzt, nicht ohne Gründe, aun = aud „Hab u. Gut“; vergl. auch Kógel Litgesch. I 9; s. aber auch das Thema im kelt. auno, aunus